Willi Stoph

Willi Stoph. 1914-1999. Quelle Foto: DER SPIEGEL.

1914
9. Juli: Willi Stoph wird in Berlin als Sohn eines Arbeiters geboren.
1928-1931
Nach Besuch der Volksschule absolviert er eine Maurerlehre in Berlin.
Im Anschluß ist er als Mauerer, Maurerpolier und nach einem Fernstudium als Bautechniker tätig.
1928
Beitritt zum Kommunistischen Jugendverband Deutschland (KJVD), in dem er verschiedene Funktionen einnimmt.
1931
Eintritt in die KPD.
1933
Teilnahme am kommunistischen Widerstand gegen das NS-Regime.
1935-1937
Militärdienst im Artillerieregiment in Brandenburg/Havel, zuletzt Oberkanonier.
1940-1942
Kriegsdienst, zuletzt Stabsgefreiter, bis er wegen einer Verwundung ausscheidet.
1945-1947
Leiter der Abteilung Baustoffindustrie und Bauwirtschaft.
1948-1950
Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik beim SED Parteivorstand.
1950-1952
Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses der Volkskammer.
Leiter des Büros für Wirtschaftsfragen beim Ministerrat der DDR, das unter anderem auch für die Ausrüstung der bewaffneten Kräfte zuständig ist.
Beteiligung an der Gründung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und dem Ausbau der Kasernierten Volkspolizei (KVP).
1950-1953
Sekretär des Zentralkomitees (ZK) der SED.
1950-1989
Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der SED.
Abgeordneter der Volkskammer.
1952-1955
Mit seiner Ernennung zum Minister des Inneren erhält er auch offiziell die Verfügung über alle bewaffneten Kräfte der DDR.
1953-1989
Nach der Unterdrückung des Aufstandes am 17. Juni rückt Stoph als Mitglied des Politbüros der SED in die Parteispitze auf.
1954
Auszeichnung mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Gold.
1954-1962
Stellvertretender Vorsitzender des Ministerrates.
1956-1960
Minister für Nationale Verteidigung und in dieser Funktion einer der Stellvertreter des Oberkommandierenden der Vereinten Streitkräfte der Warschauer Pakt-Staaten.
1956-1959
Ernennung zum Generaloberst und anschließend zum Armeegeneral.
1960
Stoph wird mit der Koordinierung und Kontrolle der Durchführung der Beschlüsse des ZK der SED und des Ministerrates im Staatsapparat beauftragt.
1962-1964
1. Stellvertretender Vorsitzender des Ministerrates.
1963/64
Mitglied des Staatsrates.
1964
Auszeichnung mit dem Titel "Held der Arbeit".
1964-1973
Vorsitzender des Ministerrates in der Nachfolge des verstorbenen Otto Grotewohl.
Stellvertretender Vorsitzender des Staatsrats.
Als Stellvertreter des Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht verhält sich Stoph loyal gegenüber der SED-Spitze und der UdSSR.
1967 versucht er mit einer brieflichen Initiative bei Bundeskanzler Kiesinger deutsch-deutsche Gespräche in Gang zu bringen.
1970: Durch seine Treffen mit Bundeskanzler Willy Brandt in Erfurt und Kassel bringt er den Entspannungsprozeß zwischen beiden deutschen Staaten ein Stück voran.
1965
Auszeichnung mit der Ehrenspange zum Vaterländischen Verdienstorden in Gold.
1969
Auszeichnung mit dem Karl-Marx-Orden.
1973
Nach dem Tod Ulbrichts, Vorsitzender des Staatsrates und damit Staatsoberhaupt der DDR.
1976-1989
Nach den Volkskammerwahlen von 1976 kommt es zur Umgestaltung der Staats- und Parteispitze. Erich Honecker wird - wie vor ihm Ulbricht - nach sowjetischem Vorbild in Personalunion Vorsitzender des Staatsrats und Parteichef. Stoph kehrt auf den Posten des Ministerratsvorsitzenden zurück.
Vorsitzender des Ministerrats.
Stellvertretender Vorsitzender des Staatsrats.
1984
Auszeichnung mit dem Lenin-Orden.
1989
18. Oktober: Den Rücktritt Erich Honeckers leitet Stoph in der Volkskammer mit den Worten ein: "Erich, es geht nicht mehr. Du mußt gehen."
7. November: Unter andauerndem Druck durch Massenflucht und Demonstrationen tritt Stoph gemeinsam mit seiner Regierung vom Amt des Ministerratsvorsitzenden zurück. Gleichzeitig wird er als Mitglied des Staatsrates abberufen und scheidet aus der Volkskammer aus.
Bis zur Neubildung der Regierung unter Hans Modrow bleibt Stoph geschäftsführend im Amt. Vor der Volkskammer bekennt er, daß der Ministerrat seine politische Verantwortung gemäß der Verfassung nicht wahrgenommen habe. Honecker und Günter Mittag bezeichnet er als die Hauptverantwortlichen für das Scheitern der bisherigen Politik.
8. November: Das Politbüro und mit ihm Stoph, tritt geschlossen zurück.
3. Dezember: Parteiausschluß durch das ZK der SED.
8. Dezember: Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch den Generalstaatsanwalt und später Festnahme unter dem Verdacht durch Amtsmißbrauch und Korruption die Volkswirtschaft geschädigt und sich persönlich bereichert zu haben. Im November war ein komfortables Jagdhaus Stophs entdeckt worden, das sich inmitten eines Naturschutzgebietes östlich der Müritz in Mecklenburg befand.
1990
Februar: Haftentlassung aus gesundheitlichen Gründen.
1991
Mai: Verhaftung in Zusammenhang mit den Ermittlungen zu den Schüssen an der innerdeutschen Grenze.
1992
August: Zunächst Haftverschonung aus gesundheitlichen Gründen.
November: Eröffnung des Verfahrens vor dem Berliner Landgericht gegen Willi Stoph und fünf andere DDR-Spitzenpolitiker.
1993
Juli: Endgültige Einstellung des Verfahrens wegen Verhandlungsunfähigkeit.
1994
10. Oktober: Das Berliner Verwaltungsgericht entscheidet, daß Stoph sein 1990 beschlagnahmtes Sparguthaben in Höhe von 200.000 DM nicht zurückerhält. Der Politiker habe das Geld durch Mißbrauch seiner staatlichen Stellung erworben. Stoph hatte vor dem Verwaltungsgericht auf die nachträgliche Umstellung seines Guthabens auf D-Mark geklagt, um so einen Teil seines früheren Vermögens zurückzuerhalten.
1999
13. April: Willi Stoph stirbt in Berlin.

(db/iz) Quelle: Deutsches Historisches Museum / LeMO
 
  Zum Tode Willi Stophs finden Sie hier einen Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 20.04.1999 und hier einen kurzen Artikel aus dem SPIEGEL vom 26.04.1999.