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"Erich Mielke. Der Mann, der die Stasi war" Autor: Heribert Schwan Droemer Knaur, München 1997. Gebundene Ausgabe, 243 S. DM 40,00 |
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"...teilen wir Ihnen mit, daß die beiden Pakete für den Genossen Mielke bestimmt sind. Er (...) hatte seiner Mutter mitteilen lassen, was ihm fehlt. U.a. auch wollene lange Strümpfe für den Winter... Es handelt sich bei den beiden in der Aufstellung angegebenen Strümpfen also nicht um Damenstrümpfe, sondern um wollene Herren-Sportstrümpfe. Wir bitten, das dem Zollamt mitzuteilen und die Sachen möglichst umgehend einzulösen, damit Gen. Mielke die ihm sehr fehlenden Sachen erhält." Schreiben Wilhelm Piecks an die sowjetischen Zollbehörden vom 11.12.1931. Soeben erschienen: Die neue Mielke-Biographie von Wilfriede Otto. Bitte klicken! |
(scr)
Es gab in der DDR wohl kaum eine gefürchtetere Insitution als das
Ministerium für Staatssicherheit, kurz "Stasi" genannt.
Synonym für Stasi war der Name Erich Mielke, von 1957 bis 1989 Minister
für Staatssicherheit und damit oberster Chef dieses
Monsterministeriums, das sich in den Jahrzehnten seines Bestehens zur
mächtigsten Institution der DDR wandelte: Ein tausendarmiger Krake, der
selbst die entlegensten Winkel der DDR-Gesellschaft ausleuchtete, dem
nichts verborgen blieb, der waffenstarrender Schild und Schwert der
Partei war; der Koloß, der schließlich im vierzigsten Jahr der
Existenz der DDR von der unbewaffneten und völlig friedlichen
Bevölkerung mühelos überwunden wurde.
In seinem Buch beschreibt Heribert Schwan, WDR-Fernsehredakteur und DDR-Kenner, die Karriere des langjährigen MfS-Ministers und identifiziert ihn klar und treffend als völlig skrupellosen und machtbessenen Parteisoldaten, der immer wußte, woher der Wind wehte. Bereits 1931, im Alter von nur 24 Jahren, erschießt Mielke zusammen mit seinem KPD-Freund Erich Ziemer die Polizeihauptmänner Anlauf und Lenk. Um der Fahndung sowie dem Prozeß zu entgehen, sorgen die deutschen Kommunisten für eine Flucht nach Moskau, wo Mielke - unter Hilfe des späteren Staatspräsidenten Wilhelm Pieck - die Lenin-Schule in Moskau unter dem Decknamen Paul Bach besucht. Sein Intellekt erlaubt es ihm nicht, die russische Sprache während seines etwa fünfjährigen Aufenthalts in Moskau als Schüler und Lektor dieser Komintern-Schule mehr als mäßig zu erlernen. Als Fritz Leissner wird er 1936 Mitglied der Interbrigaden im Spanischen Bürgerkrieg, bis er - nach General Francos Sieg - über Brüssel und Frankreich wieder nach Deutschlang gelangt, um dort in der NS-Organisation Toth zu arbeiten. Über diesen gut ein Jahr dauernden Lebensabschnitt Mielkes bleibt das Buch leider sehr im ungefähren und stellt nicht klar, welche Rolle Mielke in dieser dem Oberkommando der Wehrmacht unterstehenden Organisation Toth spielte; der Hinweis auf eine mangelhafte Dokumentenlage wird nur angedeutet. |
Sehr gut
beschreibt Schwan den steilen Aufstieg Mielkes unter seinen Chefs
Zaisser und Wollweber. Obwohl dem MfS von der Führung schwere Vorwürfe
gemacht werden, daß der Aufstand am 17. Juni 1953 nicht verhindert
worden sei, überlebt MfS-Vize Mielke aufgrund seines bedingungslosen
Gehorsams zu Walter
Ulbricht das politische Gewitter und wird schließlich im November
1957 selbst zum Minister für Staatssicherheit berufen. Die Vorstufe zur
Entwicklung seiner Allmacht beginnt ihren unaufhaltsamen Lauf.
Schwan charakterisiert Mielke, den leidenschaftlichen Jäger, als einen fast roboterartigen Exekuteur der Beschlüsse der SED. Fraglos und unkommentiert setzt der Prolet(arier) die Parteilinie in konspirative Tätigkeit um. Die richtige Interpretation kennt nur er alleine, und seine Furcht, die politische Marschrichtung könne von der offiziell erlaubten abweichen, ist der Hauptbaustein seiner Paranoia. Ständig hat er Angst, die "Feinde des Sozialismus" seien am Werk, und immer stärker befürchtet er die Gefahr von innen. Natürlich fällt ihm nichts besseres ein, als den "Sicherheitsapparat" immer noch mehr auszubauen, die DDR und das Ausland immer noch perfekter zu überwachen. "Wer ist wer?" wird zur Hauptfrage der Analysen, doch die richtigen Schlußfolgerungen kann Mielke daraus immer weniger ziehen, bis der Jäger schließlich zum Gejagten wird und 1989, wie das Kaninchen vor der Schlange, völlig gelähmt und orientierungslos in sich zusammenbricht. Die Fakten sind gut recherchiert, in den Text eingebaute Charakterisierungen Mielkes durch Zeitzeugen untermauern Schwans Einschätzungen der Person. Auch widerspricht Schwan der von Mielkes langjährigem Stellvertreter Markus Wolf nach der Wende immer wieder bemühten Legende seiner "inneren Opposition" gegen die MfS- sowie Staatsführung. Unklar bleibt aufgrund fehlender Übersichten die im Text immer wieder auftauchende und für das Verständnis der Zusammenhänge notwendige Struktur des Ministeriums für Staatssicherheit. Der ausführliche Anhang hingegen listet u.a. sämtliche Orden auf, die Mielke im Laufe seines Lebens verliehen bekam. |
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