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Zur Verleihung des Hans-Fallada-Preises an Thomas Brussig
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Notizen von der Presse-Konferenz am 28.1.2000 zur Verleihung des Hans-Fallada-Preises der Stadt Neumünster an Thomas Brussig für "Am kürzeren Ende der Sonnenallee"
(mwu)
Hans Fallada schrieb eines seiner bekanntesten Werke ("Bauern, Bonzen und Bomben") über Neumünster. Seit 1981 hat die Stadt in Norddeutschland den mit 10.000 DM dotierten Preis neunmal vergeben, unter anderem an Erich Loest, Günter Grass, Ralph Giordano, Sten Nadolny, Helga Schubert und Bernhard Schlink.
Der jüngste Preisträger, Thomas Brussig, über...
...seine Beziehung zu Fallada:
"Ich habe ehrlich gesagt nur ein Kinderbuch von ihm gelesen, aber ich denke, er ist jemand, der auch aus dem Leben heraus geschrieben hat."
...über den Anspruch an seine eigenen Bücher:
"Ich schreibe Bücher, die ich selber gerne lese."
...über seinen Bestseller "Helden wie wir" (1995):
"Das ist ein wütendes Buch. Ich habe die Wut über die nicht erfolgte emotionale Auseinandersetzung mit der DDR herausgeschrieben. Angeregt wurde ich von Hans-Joachim Maaz Buch "Der Gefühlsstau", eine echte Autorität für mich. Damals war das ein revolutionärer Ansatz, diese Wut in die Literatur zu holen."
...über "Am kürzeren Ende der Sonnenallee":
"Ich wollte diesem Gefühl der ,Ostalgie' auf den Grund kommen und etwas Klärendes, Schlichtendes veröffentlichen, mit dem sich beide Seiten - Ost und West - identifizieren können. Es soll ein Buch sein, bei dem beiden was klar wird.
...über das alltägliche Leben in der DDR:
"Man muss es schon selbst erlebt haben, um es nicht zu begreifen! Deshalb müssen diese Geschichten geschrieben werden."
...über Reden auf Preisverleihungen:
"Da rief mich nun dieser nette Mensch aus Neumünster an und sagte: 'Herzlichen Glückwunsch, Herr Brussig, Sie haben gewonnen.' Und ich fragte spontan: 'Muss ich da eine Rede halten?' Ich hatte nämlich von einem Kollegen gehört, dass er ganze sechs Wochen an einer Rede für eine Ehrung gesessen hatte, und der riet mir ab, jemals einen Preis anzunehmen. Nach meiner Frage war ein paar Sekunden Schweigen in der Leitung. Dann sagte die Stimme: 'Nun, Sie müssen nicht....' Und nun stehe ich hier und sage lieber ein paar Worte ohne Skript. Es ist nicht so, dass ich zu faul gewesen wäre, eine zu schreiben, aber die Arbeit an meinen neuen Projekten hat mich in den letzten Wochen voll in Anspruch genommen."
Zu unseren Brussig-Buchbesprechungen geht es hier: Helden wie wir sowie Sonnenallee.